Workshop-Werkzeug

Die KI-Automatisierungsmatrix

Zwei Fragen genügen, um zu entscheiden, wo eine KI-Automatisierung anfängt: Was kostet ein Fehler? Und was kostet die Umsetzung? Aus der Position im Feld ergibt sich die Reihenfolge.

Ausgangspunkt

Die Frage, die in Erstgesprächen mit mittelständischen Unternehmen fast immer zuerst gestellt wird, lautet nicht „Was kann KI?“, sondern „Wo fangen wir an?“. Beide Fehler sind teuer: an der falschen Stelle zu beginnen kostet Vertrauen, gar nicht zu beginnen kostet Anschluss.

Ob sich ein Prozess überhaupt für KI eignet, hängt vor allem davon ab, wie schwer ein Fehler wiegt – nicht, wie wahrscheinlich er ist.

Hohes Risiko

Werbemittel, die gedruckt und bundesweit ausgehängt werden. Ein Fehler ist nach dem Druck nicht mehr korrigierbar, sichtbar für alle und teuer. Ohne Human-in-the-Loop wird so ein Prozess nicht automatisiert.

Geringes Risiko

Persönliche E-Mails. Ein sprachlicher Ausrutscher fällt kaum ins Gewicht und ist im Zweifel mit einer zweiten Nachricht behoben. Automatisierung ist hier unbedenklich.

Diese eine Skala erklärt aber nur die Hälfte. Sie beantwortet, ob etwas automatisiert werden darf – nicht, ob es sich lohnt. Ein risikoarmer Prozess kann trotzdem monatelange Integrationsarbeit bedeuten. Deshalb kommt eine zweite Achse dazu: der Aufwand.

Die Matrix ausprobieren

Ziehe die Punkte, füge eigene Prozesse hinzu oder wechsle zum Tab „Einordnung“ für die Leitfragen. Die Position ergibt sich aus zwei unabhängigen Achsen: Risiko bei Fehlern (senkrecht) und Aufwand der Automatisierung (waagerecht).

Risiko bei Fehlern
Sofort automatisieren
Geplant angehen
Mit Human-in-the-Loop
Vorerst zurückstellen
gering Aufwand der Automatisierung hoch

Die vier Felder

Risiko gering · Aufwand gering

Sofort automatisieren

Vollautomatisch, Stichproben genügen. Hier entstehen die ersten Referenzen und der schnellste sichtbare Nutzen.

Beispiele: E-Mail-Entwürfe, Meeting-Protokolle, interne Zusammenfassungen.
Risiko hoch · Aufwand gering

Mit Human-in-the-Loop

Die KI erstellt den Entwurf, ein Mensch gibt frei. Nie ohne Freigabeschritt. Der Zeitgewinn bleibt erheblich, die Verantwortung bleibt beim Menschen.

Beispiele: Werbemittel, Kundenkorrespondenz mit rechtlicher Wirkung.
Risiko gering · Aufwand hoch

Geplant angehen

Lohnend, aber mit Projektcharakter. Budget, Zeitplan und Zuständigkeit einplanen statt nebenher zu starten.

Beispiele: Interne Wissensdatenbank, Anbindung mehrerer Fachsysteme.
Risiko hoch · Aufwand hoch

Vorerst zurückstellen

Bewusst später – erst wenn Erfahrung und ein belastbarer QA-Prozess bestehen. Wird dokumentiert, nicht gestrichen.

Beispiele: Automatisierte Rechnungsprüfung mit Kontierung.

Einsatz im Workshop

Ein Zeitfenster von 60 bis 90 Minuten mit vier bis acht Teilnehmenden aus verschiedenen Fachbereichen. Die Zusammensetzung ist entscheidend: Risiko und Aufwand werden aus unterschiedlichen Perspektiven völlig unterschiedlich eingeschätzt – genau diese Differenz ist das eigentliche Ergebnis.

10 Min
Sammeln
Jede Person notiert still drei bis fünf wiederkehrende Tätigkeiten aus dem eigenen Arbeitsalltag – eine pro Notiz, als Verb formuliert.
10 Min
Bündeln
Doppelungen zusammenfassen, unklare Formulierungen schärfen. Ergebnis: 12 bis 20 klar benannte Prozesse.
25 Min
Einordnen
Prozess für Prozess in die Matrix setzen – zuerst Risiko, dann Aufwand. Bei Uneinigkeit gilt die vorsichtigere Einschätzung, die Begründung wird notiert.
15 Min
Prüfen
Ballungen hinterfragen. Landet alles in der Mitte, waren die Fragen zu unscharf. Landet alles unten links, wurde das Risiko unterschätzt.
20 Min
Entscheiden
Drei Prozesse aus dem Feld unten links als Startpaket auswählen – pro Prozess eine verantwortliche Person und ein Zieldatum.

Typische Muster

Alles landet in der Mitte

Die Teilnehmenden weichen der Entscheidung aus. Gegenmittel: Positionen relativ zueinander vergeben statt absolut – welcher Prozess ist riskanter als der andere?

Das Risiko wird unterschätzt

Typisch bei technisch versierten Teilnehmenden. Die Kontrollfrage „Was passiert, wenn dieser Fehler in der Lokalpresse steht?“ verschiebt die Einschätzung meist zuverlässig.

Der Aufwand wird unterschätzt

Typisch, wenn niemand aus der IT im Raum sitzt. Die Frage nach beteiligten Systemen und schriftlich vorliegenden Prozessbeschreibungen deckt das auf.

Das Feld oben rechts wird gestrichen

Diese Prozesse sind oft die wirtschaftlich wertvollsten. Sie werden zurückgestellt und dokumentiert, nicht verworfen – sie sind die Roadmap für Jahr zwei.

Teil des Leistungsangebots

Die Matrix ist kein isoliertes Format, sondern der Einstieg in vier zusammenhängende Leistungsbausteine.

01

AI Readiness & Strategy

Die Matrix ist das zentrale Instrument des Potenzial-Workshops und liefert das Ergebnisprotokoll für die KI-Roadmap.

02

Process Engineering & Automation

Die Prozesse aus dem Feld unten links bilden das konkrete Umsetzungspaket der ersten Automatisierungsphase.

03

Secure AI Infrastructure

Prozesse mit Datenschutzanforderungen entlang der Risikoachse begründen die On-Premise-Lösung sachlich statt pauschal.

04

Managed Services

Die Freigabeschritte aus dem Human-in-the-Loop-Feld werden zu wiederkehrenden Betriebs- und Qualitätssicherungsleistungen.